Nornen

Die Nornen, altnordisch Nornir sind Schicksalfrauen. Es gibt sehr viele von ihnen, wie wir aus der Fáfnismál wissen. Dort heißt es, dass sie Müttern bei der Geburt helfen und nicht eines Ursprungs sind. Einige sind Asen, andere Alfen und die dritten sogar Töchter Dwalins. In der Helgakviða steht, dass sie die Lebensdauer der Neugeborenen schufen. Die drei wohl bekanntesten Nornen sind Urd, Verdandi und Skuld.

In der „Völuspa“ steht zu ihnen folgendes:

Von dort kommen Frauen,
vielwissende,
drei, aus dem Born,
der unterm Baume liegt:
Urd heißt man eine,
die andre Werdandi schnitten ins Scheit-,
Skuld die dritte;
Lose lenkten sie,
Leben koren sie
Menschenkindern,
Männergeschick.

In der Gylfaginning, Strophe 23 lesen wir unter anderem, dass die Nornen am Urdbrunnen jeden Tag Wasser aus diesem schöpfen und damit die Weltenesche benetzen. So trocknet sie nicht aus. Das Wasser ist so heilig, dass alles darin so weiß wie die Eierschale wird. Dort leben zwei Schwäne.

Wir lesen auch, dass es viele und nicht nur gute Nornen gibt. So klagt Gangleri, dass die Nornen das Schicksal der Menschen überaus ungerecht bestimmen, denn es gibt welche, die ein langes Leben führen und reich sind und andere, die früh sterben. Der Hohe (Odin), antwortet darauf, dass bei den Menschen, denen Gutes widerfährt, gute und edle Nornen am Werk sind, aber bei den Menschen, denen Übles widerfährt, schlechte Nornen walten.

In der germanischen Schicksalsvorstellung gab es eine Schicksalsmacht, die unabwendbar war. Wenn einem Held zum Beispiel ein Schicksal geweissagt ist, wird sich dieses erfüllen, egal, was er dagegen unternimmt. „Schicksal geht immer so, wie es muss“, so heißt es in der Heldensage des Beowolf. Aber nicht nur die Menschen haben ein unabwendbares Schicksal, sondern auch die Götter!

Das altnodirsche „Urðr“, altsächsisch wurd, althochdeutsch wurt und angelsächsisch wyrd liegt die germanische Form von „wurðiz“ zu Grunde. Es gehört zur indogermanischen Wurzel „uert“ für drehen, wenden und ist eine Abstraktbildung von werden, zu etwas werden. Im Althochdeutschen bedeutet wurd, auch angegeben als wurth (germanisch wurþi) schließen, decken, schützen, retten, wehren oder abwehren. Vereinfacht stehen die Namen der drei Nornen unter der Weltenesche für die drei Zeitformen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dieses Konzept ist jedoch nicht volkstümlich, sondern das Werk nordischer Gelehrter des Hochmittelalters, die es von den griechischen Moiren und römischen Parzen übernahmen, die in den jeweiligen Mythologien eine ähnliche Rolle wie die Nornen haben. Entgegen der landläufigen Meinung spinnen oder weben die Nornen das Schicksal nicht! Sie ritzen Stäbe. Sie legen Bestimmungen fest, wählen das Schicksal der Menschenkinder und der Männer.

(c) Alexandra Bauer, 2019

 

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